Traum der 10-Kurzgeschichte

Lisa Martins Traum der 10

Heute schreibe ich das auf, was mit mir, mit uns im Laufe der letzten 20 Jahre passiert ist.
Ich heiße Lisa Martin und bin Mitte der sechziger Jahre in Essen (Deutschland, Ruhrgebiet) geboren.
Im nächsten Jahr werde ich 60 Jahre alt.
Und ich habe spannende, aufregende und produktive Jahre hinter mir. Jahre in denen ich mit den anderen mehr bewirken konnte, mehr verändern konnte als ich mir Ende des letzten Jahrhunderts überhaupt vorstellen konnte.

Und alles begann mit meinem / unserem Traum!

Aber ich will von Anfang an erzählen. Anfang des neuen Jahrtausends an meinem 39. Geburtstag am 31. Januar ging ich, nach einer schönen ruhigen Geburtstagsfeier mit meiner Familie und den Freunden und Bekannten, zu Bett.
Wir hatten an dem Tag, wie üblich bei solchen Anlässen, viel geredet und gelacht.

Also, in dieser Nacht hatte ich diesen Traum:
Ich ging die Straße entlang, unsere Straße. Doch alles wirkte verschwommen. Immer weiter ging ich und langsam klarte es sich auf.
Irgendwie war alles anders, obwohl es eindeutig unsere Straße war. Alles wirkte grüner und frischer, nicht so lieb- und trostlos wie sonst. Ich schaute näher hin: Alle Häuser waren gepflegt, die Fassaden und Dächer waren viel häufiger begrünt. Alles strahlte eine Ruhe und Harmonie aus, die ich normalerweise nicht empfand.

Die Menschen strahlten mit der Sonne um die Wette, keine brummigen Gesichter waren zu sehen, freundlich grüßend gingen die Menschen weiter. Waren das meine Nachbarn? Irgendwie waren auch sie verändert – zufriedener, aber irgendwie auch älter. Alles war irgendwie anders.

Ich dachte nicht weiter nach und ging die Straße weiter; und irgendwie war ich dann ganz woanders.
Wo war ich nur hingeraten? Alles war fremd - und doch - irgendwie vertraut!
Da warteten neun Menschen, aber diese sahen fremdländisch aus!
Aber ich hatte keine Angst, die ganze Atmosphäre war locker und positiv.

Ein Mann sprach mich an „Hallo, ich bin Pedro und komme aus Brasilien. Wo kommen Sie her?“

„Von hier, ich bin gerade meine Straße entlang gelaufen und kenne mich jetzt gar nicht mehr aus! Wo sind wir überhaupt?“
„Das weiß ich auch nicht so genau, aber wir alle sind gerade unsere Straße entlang gelaufen, ich in Brasilien, Li Ping in China und Jim in Kanada und Ali im Iran. Mit denen, die wie Sie etwas später gekommen sind, habe ich noch nicht gesprochen. Es ist alles ein bisschen komisch“, sagte Pedro „Und wo kommen Sie her?“
„Ich komme aus Deutschland“, antwortete ich. „Aber wie komme ich hier her und wo sind wir überhaupt?“
Die Situation war auch wirklich seltsam, an einem so schönen Ort treffen sich zehn Menschen einfach so. Jeder ist von einem ganz anderem Land bzw. Erdteil gekommen.
Wir stellten uns gegenseitig vor. Es sollte einfach so sein. Irgendwie war die ganze Situation selbstverständlich. Wir verstanden uns, aber ich weiß nicht, in welcher Sprache geredet wurde.
Zehn Menschen gingen auf ihrer Straße spazieren, jeder empfand seine Straße, seine Umgebung schöner, freundlicher als je zuvor. Alle gingen ihre Straße weiter und kamen an diesem Ort zusammen.

Zehn Menschen in einer sehr fremden Situation.

Aber dann, wir hatten uns alle recht lange über dieses und jenes unterhalten, wie mit guten Bekannten, ja Freunden, tauchte die Frage auf : „Was machen wir hier eigentlich, warum sind gerade wir hier zusammengekommen?“
Diese Fragen waren nicht zu klären. Uns allen fiel kein Grund, kein gemeinsames Interesse auf.
Aber dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit, als ob wir eine Familie wären, das bestand zwischen uns. „Wir wollen uns nicht aus den Augen verlieren, wir wollen uns wieder treffen.“

Wir alle hatten den starken Wunsch – es musste möglich sein, Kontakt aufzunehmen!
„Ja, aber wir wissen ja nicht einmal, wo wir sind“ sagte Ines aus Mexiko fast verzweifelt.
Wir waren so greifbar, so nah.

„Ich hab’s!“ rief Ragaonah aus Madagaskar. „Wir inserieren in einer Zeitung, die es überall gibt!“
„Nein, so eine Zeitung gibt es nicht. Aber wir können ja jetzt verabreden welche Zeitungen am geeignetsten sind und dann inseriert jeder in einer Zeitung eines anderen Landes! Wir haben die Prawda in Russland“, sagte Igor „und eine Chinesische Zeitung muss von uns aus erreichbar sein.“
Li Ping nickte: „Ich kann die Guangming Ribao bekommen! Und mir sollte es möglich sein, im Iran in einer Zeitung zu inserieren.“
„Ja“, - Ali stand die Spannung ins Gesicht geschrieben - „bei uns gibt es die Abrar. Und nach Madagaskar sollte es dann auch eine Verbindung geben.“
Ragaonah lachte: „Inseriere in die Midi-Madagascar; die lese ich jeden Tag! Und in Australien wird es auch eine große Zeitung geben.“
„Die The Austalian kann ich bekommen!“ Gill strahlte „Ja, und ich werde dann eine Anzeige in Chile aufgeben.“
„In der La Tercera de la Hora, das ist bei uns die wichtigste Zeitung. Und in Brasilien kenne ich die O Globo, wenn es dir recht ist, Pedro, inseriere ich darin!“
„Klar, die hätte ich auch vorgeschlagen“, dieser nickte, „und welche ist die richtige Zeitung für dich, Ines?“
„Die Esto, die bekomme ich auch auf dem Lande.“, Ines schaute Jim fragend an.
„Bei uns bekomme ich die Toronto Globe and Mail. Und soviel ich weiß, Lisa, ist die Frankfurter Allgemeine bei Euch überall erhältlich“, erklärte Jim.
Ich nickte: „Und ich inseriere in die Komsomolskaja Prawda. Dann können wir uns ja gar nicht verpassen. Aber an welchem Tag, und was schreiben wir hinein? Bei diesen Zeitungen finden wir sonst die Anzeige ja nie.“

„Das ist nicht so einfach.“ Gill dachte nach. - - - - - - - - - - „Wo sind wir hier, auf der Erde? Zwischen Schlafen und Wachen? In einem Raum weit weg von der Erde? Ich weiß nicht, wie ich es definieren soll!“
Jim lachte: „Vielleicht ist es ja nur ein Traum!“

„Aber können Träume so real, so greifbar sein?“ Igor schüttelte den Kopf. „Aber es ist ja jetzt nicht so wichtig, nehmen wir einfach an, es ist ein Traum. Hauptsache, wir treffen uns in der Realität wieder! Hauptsache, wir hören voneinander!

Wir sind zehn Personen, warum schreiben wir nicht = Der Traum der 10 = und weiter schreibe ich dann = Li Ping melde dich, Igor = Und dann hat Li Ping die Möglichkeit, mir einen Brief zu schreiben mit ihrer Adresse, und so weiter.“
Li Ping sah nachdenklich aus: „Und in welcher Sprache schreibe ich?“

Daran hatte noch keiner gedacht. Welche Sprache wurde zwischen uns gewechselt? Wir sprachen doch einfach, so wie mit einem Nachbar!!!!!!!

Um uns herum wurde alles diesig und unklar. Da rief Ali: „Auf jeden Fall soll die Anzeige am 21. Februar in die Zeitung. Und mit der Sprache kann sich ja jed... ... nen....... g...... le...... w....... s...“

Da lag ich nun in meinem Bett.
War das ein Traum? War das alles unreal? Gerade stand ich da, mit Freunden - und jetzt lag ich hier.

Ich stand auf. Das musste ich mir aufschreiben. So lebendig hatte ich noch nie geräumt.

Es dauerte einige Zeit, bis ich wieder einigermaßen frei denken konnte. Immer wieder las ich das Geschriebene durch und ergänzte die Aufzeichnungen.

Es war nur ein Traum. Sollte ich wirklich inserieren? Was sollte dabei herauskommen? Und dann in Russland! Im Traum war das selbstverständlich, aber jetzt, im wachen Zustand ...

Irgendwann legte ich mich dann doch noch schlafen.

Morgens habe ich dann meiner Familie meinen Traum geschildert.

Mein Mann Kurt sagte: „Freue dich, einen so angenehmen Traum gehabt zu haben. Und freue dich, dass du noch alles davon weißt. Aber es war nur ein Traum.“

Meine 15-jährigen Zwillinge waren begeistert. Kathrin überlegte: „Ich werde mich erkundigen, wie wir am besten die Anzeige in die Prawda bekommen. Nickis Vater arbeitet doch bei der Zeitung, der hilft uns bestimmt!“

„Mache nicht noch alle Leute verrückt mit Mamas Traum!“ Kurt sah nicht begeistert aus. „Es ist nur ein Traum, merke dir das.“

„Aber wenn es mehr als ein Traum ist, was dann?“ Jens sah seinen Vater böse an. „Das wäre doch toll, Bekannte in der ganzen Welt zu haben, durch einen Traum. Da kann man dann bestimmt tollen Urlaub machen. Mama, woher waren diese Leute?“

Typisch Jens, immer rein ins Vergnügen. Mit 15 Jahren soll das wohl auch so sein.

Ich zählte ihm die Länder auf. Und dann wurde über den Traum nicht mehr geredet.

Der Traum war nicht wirklich, er beschäftigte mich, aber ich drängte ihn immer mehr in den Hintergrund. Der normale Alltag hatte mich voll im Griff. Familie, Haushalt und 25 Stunden in der Woche in der Firma, ich war ausgelastet.

Dann kam der 21. Februar.
Als ich am Zeitungskiosk vorbeikam, kaufte ich mir eine Frankfurter Allgemeine.
Ich konnte es nicht fassen, da stand unter den Kleinanzeigen die verabredete Anzeige = Der Traum der 10 - Lisa bitte melde dich, Jim. = Und dann eine Chiffrenummer.

Was jetzt? Habe ich die Chance verpasst? Kann sich der Kreis nicht schließen?
Ich war verzweifelt. Was sollte ich jetzt tun? Es war zu spät.
Betrübt ging ich nach Hause. Immer überlegte ich, wie ich diesen Fehler wieder gut machen konnte. Ich hatte nicht so recht an die Realität des Traumes geglaubt. Und doch hatte ich die ganze Zeit gefühlt, wie wichtig es wäre, nach dem Traum zu handeln.

Erst mal verkroch ich mich in meine Ecke. Was sollte ich Jim schreiben? Vielleicht gibt es ja doch noch Wege, Igor zu erreichen? Die Gedanken schwirrten nur so durch meinen Kopf.
Irgendwann hörte ich Kathrin rufen. Sie musste einige Male gerufen haben, bevor ich es überhaupt registrierte. Und dann stellte sie sich erwartungsvoll vor mir auf.

„Mama, heute ist der 21. Februar. Hast du in der Frankfurter Allgemeine nachgeschaut?“
Ich nickte: „Und ich habe keine Anzeige in die Prawda gesetzt. Jetzt kann sich der Kreis nicht schließen.“ sagte ich traurig.

„Aber ich, aber ich, aber ich!“ Kathrin jubelte.

Hatte ich richtig gehört? „Du hast die Anzeige aufgegeben, wirklich?“
Es riss mich aus meinem Sessel hoch. Ich starrte meine Tochter begeistert und entgeistert an. „Wirklich? Richtig? So wie verabredet?“ die Gedanken kreisten nur so in meinem Kopf. Hatte ich richtig verstanden?
Meine Tochter nickte nur und lachte über das ganze Gesicht. Ich konnte nicht anders, ich drückte sie ganz fest an mich. „Du bist ein Schatz, Kathrin!“
„Ja Mama, das habe ich mir vom Taschengeld abgeknapst. Es ließ mir einfach keine Ruhe. Und dann habe ich mit Nickis Vater gesprochen, und der hat dann dafür gesorgt. Das kostet um die 50 Euro. Aber das war es mir wert.“

Ich war erleichtert, oh so erleichtert, als ob mir eine riesige Last von den Schultern genommen wäre.
Und nur allmählich kam die Erkenntnis.
Es war ein Traum. Die Menschen waren real. Wir können durch diesen Traum Kontakt aufnehmen. Dieses Gefühl der Zugehörigkeit kann gelebt werden.
Hat das Ganze eine weitreichendere Bedeutung? Was kam auf mich zu? Ist es möglich, mit allen zusammen ein Treffen zu organisieren?
Tausend Fragen, aber noch keine Antwort. Apropros Antwort - Jetzt erst einmal den Brief an Jim fertig machen.
Was soll ich schreiben? Von dem Traum? – Ja, aber nur ein bisschen. Wie ich mich gefühlt habe!
Alles, was ich so mache, von der Familie, dem Beruf, meinen Hobbys.
Und in welcher Sprache? Englisch, gut das geht und Kathrin hilft bestimmt. Wozu macht sie sonst in Englisch Leistungskurse.

Und dann habe ich den Brief an Jim abgeschickt.
Nachdem ich die Anzeige gesehen habe, wusste ich: Jetzt geschieht etwas ganz besonderes, etwas für die ganze Welt.
Ich konnte es nicht greifen, nicht benennen, aber ganz sicher spüren. Und Kurt war stolz auf seine Tochter, auch wenn es sich nur um einen Traum handelte, einen wahr gewordenen Traum.
Die Kopie meines Briefes und des Briefes aus Madagaskar lege ich diesen Aufzeichnungen bei.

Lieber Jim,
ich habe nicht zu hoffen gewagt, dass dieser Traum real wird. Die Anzeige an Igor hatte ich nicht aufgegeben, aber meine Tochter hat das für mich getan. Ich bin so glücklich. Träume können wahr werden!

In der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar hatte ich unseren Traum, an meinem 39. Geburtstag. Ich weiß nicht, welche Bedeutung der Traum haben soll, aber ich war so glücklich und zufrieden, wie noch nie in meinem Leben. Und ich fühle, dieser Traum hat eine Bedeutung. Ich möchte Euch alle wiedersehen.

Das, was mir am deutlichsten von diesem Traum vorschwebt, ist die Harmonie zwischen den zehn völlig fremden Personen und das miteinander Sprechen ohne Sprachschwierigkeiten, obwohl wir alle eine andere Sprache sprechen.

Und dann das mit der Straße! Es war meine Straße, die Straße, an der ich jetzt lebe. Aber so heimelig, harmonisch, grün und angenehm habe ich sie noch nie empfunden. Die Menschen, meine Nachbarn, sahen zwar alle etwas gealtert aus, aber sie strahlten bedeutend mehr Lebensfreude und Zufriedenheit aus, als im tagtäglichen Leben. Selbst unser Griesgram, ein 50-jähriger Mann aus der Nachbarschaft, grüßte freundlich und blieb bei den Nachbarn stehen. An so einen Wandel mag man gar nicht glauben.

Ich habe dir unsere Straße jetzt aufgezeichnet und die Veränderungen im Traum. So viele Details habe ich behalten, die mir während des Traums gar nicht bewusst geworden sind. Eine ganz andere Autogeneration stand in den Straßen und insgesamt viel weniger Autos. Es gab auch viel weniger Anzeichen für Luxus, ich kann das aber auch nicht so klar definieren, und es ist ja auch egal, alles war so viel schöner.

Und jetzt möchte ich Dir etwas von mir erzählen.
Ich lebe in Essen, einer Großstadt im Ruhrgebiet. Mein Mann heißt Kurt und wird 41 Jahre alt. Wir haben ein Zwillingspärchen, Kathrin und Jens, die sind 15 Jahre alt und gehen aufs Gymnasium in die 9. Klasse.
Jede Woche arbeite ich 25 Stunden in einem kleinen Betrieb als Sekretärin.
Mit meinem Leben war ich bisher zufrieden, aber seit dem Traum will ich mehr. Ich sehe Möglichkeiten und Chancen, ich habe den Wunsch, meine Straße so schön wie im Traum zu machen. Und ich werde die Nachbarn ansprechen. Ihnen die Zeichnungen zeigen, wie die Straße jetzt ist und wie sie sein könnte, wenn wir was verändern.

In meinem ganzen Leben bin ich nicht der Mensch gewesen, wirklich etwas bewegen zu wollen; ich habe mitgemacht, aber nicht selber angefangen. Nie wollte ich die Welt verbessern, ich sah auch nie eine Chance dazu. Jetzt fange ich an, meine Straße, meine Umgebung zu verändern. Und innerlich weiß ich, diesmal werde ich es schaffen und durchhalten. Denn ich habe das Bild vor Augen.

Gibt es die Möglichkeit eines Treffens für alle zehn Träumer? Da wir Kontakt aufnehmen können, muss es einfach möglich sein. Ich glaube daran. Ich bin auch gerne bereit, dieses Treffen hier bei mir in Deutschland zu organisieren. Aber wichtig ist nur, dass alle kommen können. Ich fliege auch um die halbe Welt, um Euch zu sehen.

Ich freue mich auf deine Antwort und ich hoffe (ich glaube fest daran), dass ich Nachricht von Igor bekomme. Ich melde mich, sobald ich Nachricht erhalten habe.

Auf das Wiedersehen
Lisa Martin

Diesen Brief habe ich natürlich ins Englische übersetzt nach Kanada zu Jim geschickt.

Ragaonah Andrianjaly aus Morondava

Lieber Ali,
Ich hatte diesen Traum, durch den wir uns kennengelernt haben am 31. Januar.
Hast Du daran geglaubt, dass so ein Traum wahr werden kann?

Mein Vater hat die Anzeige für Gill in die Australische Zeitung gesetzt. Irgendwie hat er einen Weg gefunden. Im Traum sah das alles so einfach aus. Hier gibt es so viele Dinge nicht, die in anderen Ländern normal sind.

Zum Traum: Er war angenehm und harmonisch.
Für mich war der Wunsch, diesen Traum Realität werden zu lassen, sehr stark, aber ich habe nicht daran geglaubt, dass so eine Veränderung überhaupt möglich ist.

Eine wichtige Veränderung in unserer Straße war: Alle Kinder, die ich nicht kannte, aber der Ähnlichkeit wegen zu uns gehören müssten, hatten ihr Gebiss in Ordnung. Und viele, gerade die jüngeren Erwachsenen auch.
Alle Menschen waren älter als in der Realität. Mir lief ein Mann über den Weg, so könnte in 15 bis 20 Jahren mein ältester Sohn aussehen.
Eine wichtige äußere Veränderung war, die Hütten meines Dorfes sahen alle stabil aus, und sicher.

Ich habe das Glück gehabt, als Kind in der Nähe der Stadt zu wohnen, und dass meine Eltern mich zum Lesen und Schreiben lernen gedrängt haben, ebenso wie meine fünf Geschwister.
Meine Frau kann noch nicht richtig lesen und schreiben, aber ich bringe ihr, was ich kann, bei.

Ich hoffe, wir können uns alle wiedersehen. Aber ich brauche alles Geld, um am Leben zu bleiben, deshalb kann ich nicht irgendwo hinkommen. Aber wenn alle wollen, seid ihr alle in unserem Dorf willkommen.

Hoffentlich bis bald

Ragaonah Andrianjaly

Und wir haben uns getroffen in Madagaskar.

Alle hatten eine Möglichkeit gefunden.

Das Geld für die Reise haben wir zusammengesammelt. Einigen von uns tat das Geld nicht weh, aber andere lebten von der Hand in den Mund. Und da haben wir bei Freunden und Bekannten gesammelt, bis es für alle reichte.

Ragaonah hatte in seinem Dorf alle begeistert und so war auch die Aufnahme, als wir am 16. September dort ankamen.
In seinem Brief hatte er noch geschrieben, wie schlecht die Bedingungen wären, jetzt hatte sich im Dorf eine ganz andere Einstellung breit gemacht. Und diese Erfahrungen hatte jeder von uns Zehn in seiner Umgebung gemacht.

Irgendwie war der Traum wie eine ansteckende Krankheit, aber eine die jeder haben will.
Ein Umdenken hatte nicht nur bei uns, sondern auch in unserer Umgebung stattgefunden.

Aber jetzt zum Treffen.
Wir kannten uns, wir erkannten uns, aber wir sahen anders aus, als im Traum!
Was war anders?
Wir schauten uns an und – ja, wir sahen jünger aus – bedeutend jünger.

Wenn ich mir Jim anschaute – nein dies war kein erwachsener Mann, sondern ein Jugendlicher oder junger Erwachsener. Maximal 20 Jahre? Im Traum hatte es ausgesehen, als ob er in meinem Alter wäre. Und diese Altersspanne zeigte sich bei allen Träumern.
So, als ob wir uns in 20 Jahren gesehen hätten.
Aber das war im ersten Moment nebensächlich.
Wir fielen uns in die Arme, freuten uns alle, wieder zusammen zu sein.

Die ganze Zeit, 14 Tage, ging es uns einfach nur gut.
Wir führten Gespräche - mit Händen und Füßen.
Denn wir konnten nicht, so wie im Traum, einfach drauflosreden.
Aber wir verstanden uns immer besser, je länger wir uns miteinander unterhielten.
Es gab keine Vorurteile, keine Hindernisse, die nicht beseitigt werden konnten.

Und mit jedem Gespräch verstanden wir mehr. Es war so einfach, eine gemeinsame Sprache zu finden; denn uns verband etwas, was wir nicht in Worte fassen konnten, uns aber so offen und frei fühlen ließ, wie nie zuvor im Leben.

Die Erkenntnisse aus diesem Treffen.
Wir Zehn fühlen uns freudig verantwortlich, in unsere Umgebung Licht zu bringen, unsere Umgebung liebens- und lebenswerter zu machen.
Wir wollten miteinander Kontakt halten, und wir wollten uns wiedersehen. So oft, wie möglich.
Und wir wussten, wir können ein Band um die ganze Welt spannen. Ein Band der Freundschaft, ein Band das stärker ist als Habgier, Besitzdenken und Macht über andere zu haben.

Jeder hatte seine eigene Umgebung vor Augen, wie sie momentan war, wie sie vor dem Traum und im Traum war.
Wir hatten ein Ziel. Die Umgebung sollte so wie im Traum sein. Denn so war sie in unseren Köpfen.
Schon ganz fest verankert.

Und eigentlich brauchten wir uns keine Gedanken machen. Wir wussten, dass wir die Veränderung schaffen. Woher wir dieses Selbstverständnis nahmen, ich weiß es nicht, aber es war einfach da.

Der Abschied fiel uns schwer, aber wir verabredeten eine Informationskette.
Jeder schrieb wie bei der Anzeige den nächsten an und sammelte alle Infos aus den anderen Briefen.

Aber das Wie, ist ja nicht so wichtig.

Wir hatten miteinander Kontakt, und in den Briefen war neben der Freude voneinander zu hören ein ganz starker Punkt, die Veränderung in der Umgebung eines jeden Träumers.

Nach dem Treffen habe ich mir einige Notizen zu den Träumern gemacht, diese füge ich hier einfach bei.

Pedro kommt aus Brasilien und ist Anfang sechzig. Wenn er die Möglichkeit bekommt, arbeitet er stundenweise für unterschiedliche Personen. Er lebt mit Kindern und Enkelkindern am Rande der Großstadt in den Slums.
Er erzählte den Traum seiner Familie und auch Kollegen. Ein Dienstherr hatte mitgehört und die Anzeige aufgegeben. Dieser Dienstherr sorgte auch für den Flug und unterstützt Pedro, wo er nur kann.
Eine Veränderung, die für Pedro ganz wichtig ist: Es gab immer mehr Ecken, an denen kein Unrat mehr herumlag.

Li Ping wohnt mit ihrem Mann und ihrem Kind in China. Sie ist Mitte dreißig. Sie arbeitet in einer Fabrik und ein Arbeitskollege hat die Anzeige aufgegeben.
Sie freute sich, dass der Umgang in der näheren Umgebung herzlicher wurde.

Jim lebt mit seiner Mutter, deren neuen Lebensgefährten und zwei Schwestern in Kanada. Sein Onkel war vom Traum so fasziniert, dass er die Anzeige in die Frankfurter Allgemeine setzen ließ.
Er berichtete, dass er die Geschichte auch einigen indianischen Mitbürgern erzählt hätte und dort würde versucht, eine Rückbesinnung auf die eigene Vergangenheit jetzt mit den Vorzügen der modernen Lebensweisen zu vereinen.

Die Heimat von Ali ist der Iran. Er ist Mitte 40 und erzählte es zuerst den männlichen Mitgliedern seiner Familie. Aber seine Mutter hatte es geschafft, die Anzeige zu veröffentlichen.
Im Iran besteht seit Jahrhunderten ein Kampf um die raren Weidegründe für das Vieh. Auch, wenn es in Alis Lebensbereich in den letzten Jahren keine Toten mehr zu vermelden gab. Während der Wanderung der Nomadenvölker kam es immer zu Streitigkeiten. Der Traum hat diese Streitigkeiten in Alis Bezirk minimiert und es wurde zum ersten Mal wirklich gemeinsam versucht, eine für alle Seiten befriedigende Lösung zu finden.

Igor ist ein russischer Geschäftsmann. Wir haben ihn anders kennengelernt, aber er erzählte uns, dass er mit seinem Geld viele großartige Dinge vor dem Traum gemacht hatte. Ihm steht ein richtiges Vermögen zur Verfügung.
Er ist Mitte fünfzig. Er hat seinen Kindern und Enkeln den Traum als Märchen erzählt. Und mit Freunden hat er eine Wette abgeschlossen. Der Einsatz: Wenn durch den Traum Kontakt zu realen Menschen hergestellt werden könne, würde er sein Leben für diesen Traum ändern. Die Anzeige setzte er selbst in die Zeitung.
Er sagt, jetzt hätte er ein besseres Leben, auch wenn er mit seinen Freunden viel Zeit und auch Geld für die Veränderungen einsetzen würde. Durch die Aktionen würden immer mehr Menschen aufgefangen, denn sie würden Chancen für die armen Menschen ermöglichen - durch Arbeitsplätze, für die medizinische Versorgung und ganz besonders für Projekte, die den Menschen ein eigenverantwortliches Leben ermöglichen.

Gill ist Studentin in Australien. Ihr Freund wollte, dass sie nachher nicht traurig wäre, wenn es denn doch eine Rückantwort geben würde und hat die Anzeige aufgegeben.
Nach der Rückmeldung muss eine richtige Bewegung durch die Studentenschaft ihrer Uni gegangen sein. Der Umgang untereinander ließ keine Ausgrenzungen mehr zu. Sie berichtete mit einer sehr großen Begeisterung.

Juanita bewohnt mir ihrer Familie eine große Hazienda in Chile. Eine Angestellte hatte die Anzeige aufgegeben. Auch wenn schon vorher ein gutes Klima auf der Hazienda untereinander herrschte, sie berichtete, dass trotz aller beruflichen Grenzen der Umgang untereinander noch herzlicher geworden wäre.
Mit den anderen Großgrundbesitzern findet inzwischen ein reger Austausch statt, so dass einiges in Bewegung kommt, besonders für die Kleinbauern und Landarbeiter.

Ines berichtete von Veränderungen am Arbeitsplatz. Der Respekt sei nicht nur ihr gegenüber verändert worden, es würde auch schneller zugehört, wenn über Probleme geredet würde.
Ihr Mann hat die Anzeige aufgegeben.

Soweit die Aufzeichnungen.

Bei mir wurde alles sauberer, grüner, freundlicher innerhalb eines Jahres. Auch der Griesgram aus unserer Straße, er war nicht wieder zu erkennen. Er war derjenige, der immer als erster aktiv wurde, wenn ich von dem Traum berichtete.

Irgendwann deutete er an, dass er durch Mitverschulden seine Familie verloren hätte und er mit dieser Last nur schwer leben konnte. Der Traum gäbe seinem Leben wieder Sinn. Einige Jahre nach dem Traum sind aber Familienmitglieder wieder auf ihn zugekommen.

Wir lebten alle 10 jetzt in einer harmonischeren Umgebung. Die Entwicklung schritt rasant voran.

Und dann hatte ich wieder Geburtstag.
Wir feierten mit den Nachbarn und Freunden, nur dass jetzt viel mehr Menschen gemeinsam feierten. Wir feierten auch den Traum vor einem Jahr und natürlich die Veränderung in der Umgebung (inzwischen dehnte sich dieses Gebiet schon auf den ganzen Stadtteil aus).
Und dann, in der Nacht, hatte ich wieder diesen Traum.

Aber irgendwie anders. Ich kannte die Situation, die anderen Personen nicht.
Auch war ich zuerst im Traum! Ich ging durch die jetzt schon veränderte Umgebung, und doch, es veränderte sich noch mehr als beim ersten Mal.
Dann war ich am Ziel. Als ERSTE. Am gleichen Ort wie vor einem Jahr.

Dann kamen Personen auf mich zu, mit wachen neugierigen, offenen Augen.
Aber nicht die Freunde vom Traum, nein, fremde und doch irgendwie vertraute Gesichter.

Zuerst kam ein etwa 50-jähriger Mann. Der fragte: „Wo bin ich hier, es ist so anders. Gerade war ich noch zu Hause?“
Wie selbstverständlich erklärte ich ihm die Situation. Und auch, dass ich das Gleiche schon vor einem Jahr erlebt hatte und dass ich durch diesen Traum angefangen habe, ganz anders zu leben.

Die anderen Personen kamen langsam dazu, sie hörten erstaunt meine Geschichte.
Dann unterhielten wir uns über alles, was uns einfiel. Wie beim letzten Mal war eine große Harmonie zu spüren. Und der Wunsch, seine häusliche Umgebung zu verändern – und zwar so, wie sie sich im Traum veränderte.
Insgesamt waren 10 Personen zum ersten Mal in diesem Traum.
Warum war ich dabei und wo waren meine Freunde aus dem Traum? Diese Gedanken kamen in mir hoch, aber ich spürte, hier bin ich nicht einer von 10 Träumern, die alle gleich wenig wissen.

Hier war ich der Ansprechpartner für diese 10 Personen, die genau wie meine Freunde über den ganzen Erdball verstreut zu Hause waren.
Alle 10 neuen Träumer wollten sich, genau wie wir vor einem Jahr, nicht aus den Augen verlieren, und auch sie wollten sich mit Anzeigen wieder finden. Und auch sie wählten denselben Weg wie wir vor einem Jahr, das Datum der Anzeigen sollte der 17. Mai sein.

Ich wusste, die Zeitung aus Österreich, die würde ich für diesen Tag besorgen. Denn dann konnte auch ich Kontakt aufnehmen.
Und so verschwand wie vor einem Jahr dieser Ort im Nebel und ich fand mich in meinem Bett wieder.

Auch dieses Mal wurde ich wach und schrieb alles auf. Und ich rief Li Ping in China an.

Und Li Ping hatte den gleichen Traum.
Nur mit anderen Personen.
Und im Laufe des Tages stellte sich heraus, alle 10 Träumer hatten 10 neue Träumer kennen gelernt.
Menschen, die jetzt von demselben Ziel begeistert waren wie wir.

Jetzt waren wir 110 Träumer. Und wenn wir genau überlegten, waren viele Menschen in unseren Umgebungen auch schon begeistert und aktiv.

Jeder von uns traf sich mit seinen 10 neuen Träumern. Die Harmonie, die Lebensfreude und das Bedürfnis, die eigene Umgebung harmonischer zu gestalten, war bei allen vorhanden.

Alles entwickelte sich wie von selbst.

Die Träumer der einzelnen Gruppen hatten regen Kontakt untereinander. Und es bildeten sich regionalere Gruppen. Gruppen pro Kontinent.
Jeder Träumer veränderte alleine durch seine Erzählung des Traumes die Bedürfnisse in seinem Umfeld.
Und auch im weiten Umfeld wurden Verbesserungsmöglichkeiten gesehen. Und langsam entwickelten sich überall kleine Gruppen, die sich von den Träumern anstecken ließen.

Nach einem weiteren Jahr war schon viel passiert und drei Jahre nach dem 1. Traum träumten alle Träumer mit je 10 neuen Träumern.

Und so gab es schon 1210 Träumer, in fast jedem Land waren so Inseln der Hoffnung entstanden, Inseln der Umwandlung. Und keiner wehrte sich.
Es gab keine Proteste, keine Kundgebungen und Demonstrationen.

Die Menschen aus der Umgebung der Träumer begeisterten sich an den Träumen. Und der Wunsch, die eigene Umgebung wie im Traum zu ändern, war stark.

Und weitere vier Jahre nach dem dritten Traum träumte jeder Träumer wieder mit 10 neuen Träumern. Es trafen sich 13310 Träumer. Und acht Jahre später dann 146410.

Die Welt hatte sich verändert.
Über die ganze Erde verstreut gab es Freunde. Menschen, die begeistert ihre Umgebung lebenswerter gestalteten, weil sie geträumt hatten oder einen der Träumer kennengelernt hatten.
Kriege waren eigentlich nicht mehr vorhanden. Das Bedürfnis nach einer schönen Umgebung galt nicht nur für den engeren Bereich.
Nein, überall wo man hinkam, sollte das Leben lebenswert sein.

Das ganze Denken auf der Erde hatte sich verändert. Natürlich nicht alle Menschen waren begeistert. Aber die Begeisterten waren in der Überzahl. Und sie waren stark und sie setzten sich für alle Menschen ein.

Unter den Träumern waren ja die Probleme bekannt, denn unsere Freunde waren über den ganzen Erdball verteilt.
Ragaonah berichtete, dass in Madagaskar die Zahnkrankheiten und der Hunger kaum noch ein Thema seien. Das Land war nicht auf einmal reich geworden, nein, aber die Menschen konnten jetzt leben und zwar gut leben. Sie wurden satt und brauchten nicht mehr die wichtigsten Lebensmittel wegtransportieren.

Denn so viele Menschen wollten für alle Menschen eine Welt schaffen, in der es sich zu leben lohnt.
Wenn der nächste Traum folgt, bin ich schon eine alte Frau, aber ich weiß, meine Kinder und meine Enkelkinder leben. Sie leben wirklich.
Bevor ich den ersten Traum hatte, sah die Welt nicht danach aus, als ob für meine Enkelkinder noch Platz zum Atmen sein würde.
Ich weiß, jetzt ist dieser Platz zum Atmen reichlich vorhanden.
Und für die nächsten Generationen auch.

Ich weiß nicht, warum ich auserwählt war, diesen Weg als eine der Ersten mit zu gestalten. Aber ich bin dankbar dafür.

Und letzte Woche haben wir uns getroffen, nach 20 Jahren; und wir sahen alle so aus, wie beim ersten Traum der 10.
Dieser Traum hat dem Leben wieder eine Zukunft gegeben, eine Zukunft, in die man mit Freuden blicken kann.

Diese Aufzeichnungen werde ich versuchen, in die Vergangenheit zu schicken. Und ich hoffe, sie gehen nicht verloren. Denn die Menschen sollen so früh wie möglich wissen, dass es Hoffnung für uns Menschen gibt.

Ich grüße alle Menschen

Lisa Martin
Damit alle Menschen diesen Traum leben können, habe ich den Traum ins Internet gestellt. Treffpunkt für alle ist www.Traumder10.de

Der Traum der 10 hat mir, Maria Donner, die vom Traum der 10 träumen durfte, zu einem noch aktiveren und harmonischeren Leben verholfen. Lasst uns den Traum weltweit auf den Weg schicken.
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