Bocholt-Borkener Volksblatt 15.07.2005

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„Ideenfinderin” Maria Donner mag sich nicht mit Daniel Düsentrieb vergleichen. Über die Stationen Familienpflegerin, Gesundheitspädagogin und IT-Systemkauffrau hat sie einfach ihren Traumberuf gefunden - Pardon! - erfunden. Fotos: hgk

Daumenkino für Piloten


Maria Donner denkt sich nicht nur Geschenke für anderer Leute Freunde aus, sondern hat auch gleich den passenden Berufsstand ersonnen: Sie nennt sich „Ideenfinderin”. Gestern war die Borkenerin auf dem Rheder Krammarkt.

Rhede Als eine Passantin vorüberschlendert, kommt Maria Donner gleich zur Sache: „Soll ich Ihnen das Spiel erklären? Geht ganz schnell!” Keine leere Versprechung: Den Kern ihrer Erfindung erläutert sie in zehn Sekunden. „Immer wieder was Neues”, kommentiert die potenzielle Käuferin. Was den Nagel auf den Kopf trifft: Donner lebt davon, dass sie sich Neues ausdenkt. Seit gut einem halben Jahr firmiert die Borkenerin als „Ideenfinderin”. Gestern war sie auf dem Rheder Krammarkt vertreten.
„Ich hab' schon immer besondere Geschenke gemacht”, sagt Donner. Zum Beispiel ein Modell des Glücksdrachen „Fuchur” aus der „Unendlichen Geschichte” Michael Endes. Das fertigte die 43-Jährige für eine Freundin an, mit der sie den Film gesehen hatte - zu einer Zeit, als es für Leinwandstreifen noch keine Merchandising-Produkte gab. „Der Drache ist aus Frotteestoff und einen knappen Meter groß”, erzählt Donner. Die Länge der Stoffpuppe deutet sie mit den Händen an. Mit denen hat sie „immer selber getüftelt”. Doch erst seit eineinhalb Jahren nutzt Donner ihre Kreativität beruflich.
Die Auftraggeber wollen für Freunde oder Bekannte „ein tolles Geschenk” (Donner), wissen aber nicht, wie es aussehen soll. Müssen sie auch nicht - dafür ist schließlich die „Ideenfinderin” da. „Ich frage danach, wo das Wichtige in der Beziehung liegt”, erklärt Donner. „Was verbindet die, zum Beispiel welche Erfahrungen?” Das kann ein gemeinsamer Urlaub sein, der schon Jahre zurückliegt, vielleicht auch ein gemeinsamer Unterricht. Für einen Stadtlohner, der zusammen mit einem Freund Flugstunden genommen hatte, bastelte die Borkenerin ein Daumenkino. Es beginnt mit Startfotos des verwendeten Flugzeugtyps und mündet in Luftaufnahmen der Flugplatzumgebung. Das Material hat Donner im Internet recherchiert.
Fast schon eine Fingerübung war für sie jenes Kreuzworträtsel im DIN-A-3-Format, das sie für einen Hamburger Empfänger gebastelt hat. Vom Auftraggeber bekam sie persönliche Fragen und Antworten, die es waagerecht und senkrecht zu kombinieren galt. Etwa: „Was ist sechs Zentimeter eingelaufen?” - „Geschirrtuch”. Andere bringen der „Ideenfinderin” Fotoalbenstapel, aus denen sie CD-Präsentationen macht - „von der Geburt bis zum 40. Lebensjahr”. Manchmal vermittelt Donner auch nur die Idee selbst - beispielsweise die Anregung, gemeinsam eine Veranstaltung zu besuchen oder ein Geldgeschenk ansprechend zu präsentieren. Ihre Gedanken, so findet die Borkenerin, müssten nicht „exotisch bis zum Geht-nicht-mehr” sein, sondern „praktikabel für die Leute”. Für Donner ist entscheidend, dass das Geschenk „in dem Moment” passt. Damit gibt sie zu, dass ihr zu einem anderen Zeitpunkt vielleicht etwas anderes einfiele: „Ich bin nicht festgelegt, ich entwickle mich ja auch.”


© Bocholter-Borkener Volksblatt      Im BBV veröffentlicht am: 14.07.2005,  im Ressort: Rhede